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Ein bisschen Spaß

 

Der Hungerstein

Gestern habe ich in der Stadt einen alten Freund getroffen. Saß auf einer Parkbank im Schatten, einen schweren Kieselstein von einer Hand in die andere plumpsen lassend. „Dünn geworden bist du“, begrüßte ich ihn, der doch früher immer eine mächtige Wampe vor sich hergetragen hatte. „Das kommt von meinem Hungerstein“, grinste er. „Solange ich diesen Stein von einer Hand in die andere wiege, hab ich einfach keinen Hunger“, wollte er mir weismachen. Wenn das so einfach wäre, dachte ich mir, dann müsste ich dieses Rezept zur Gewichtsreduktion doch auch dringend mal ausprobieren. Würdest du mir deinen Stein mal kurz ausborgen?“, fragte ich freundlich. „Ungern“, merkte er an, ließ den Kiesel aber dann doch in meine rechte Hand plumpsen. Ich merkte nichts, außer, dass da schon ein schwerer Brocken an meinem Handgelenk zerrte. Sofort verzerrte mein Freund sein Gesicht, so als wolle er jeden Moment in Tränen ausbrechen. „Hunger!!!“, heulte er mir vor, während ich den Kiesel von einer Hand in die andere fallen ließ. Aber das Heulen hörte einfach nicht auf … „Lädst du mich zum Essen ein?...“

 

 

Aufgelaufen

Rosi gehört zu den Menschen, die morgens besonders schlecht aus den Federn kommen. Nach schlechten Erfahrungen mit dem Wecker in Armnähe – schlaftrunken wird das Ding dann nämlich einfach zum Verstummen gebracht – stellt sie ihn nun in die entfernteste Ecke des Zimmers. Und bei wichtigen Terminen bemüht die Gute dann zusätzlich – als reine Vorsichtsmaßnahme – den Weckdienst der Telekom. Kürzlich aber hat auch der versagt. Meinte Rosi. Als sie gegen Mittag endlich vom Gezeter ihres Wellensittichs aufwachte, schimpfte sie zunächst einmal auf die Telekom, dass die für 9 Uhr verabredete geschäftliche Besprechung geplatzt war. Zu Unrecht, wie sich am Nachmittag herausstellen sollte. Da nämlich hörte  sie ihren Anrufbeantworter ab. Das Band war voll: „Es ist jetzt 6 Uhr, dreißig Minuten und zwanzig Sekunden …., es ist jetzt 6 Uhr, dreißig Minuten und dreißig Sekunden …. Es ist jetzt 6 Uhr, dreißig Minuten  und vierzig Sekunden …. es ist jetzt ….

(erschienen in der Rheinischen Post)
 


Ein unvergesslicher Abend

Es war ein unvergesslicher Abend – welcher Mann würde sich nicht nach einer durchtanzten Nacht über solch ein Lob der Dame freuen? Doch ist es immer ein Lob? Ein Beispiel:
Auf dem Nachhauseweg wird’s plötzlich kalt im Auto, Warnlampen blinken auf, Rauchwolken quillen unter der Motorhaube hervor. Drei Uhr nachts, am Breitscheider Kreuz. Der Platz ist aber gut gewählt, die Notrufsäule steht nur wenige Schritte entfernt. Eine freundliche Stimme verspricht, den Autoclub zu informieren. Glücklicherweise sind keine Minusgrade, auch kein Regen, alle harren gelassen der Hilfe, die da kommen soll.
Die Zeit vergeht, es wird vier. „Mein Autoclub wäre längst gekommen“, wirbt Heike, mit etwa 20 Anforderungen Pannenspezialistin der Runde, für „ihre“ Gelben Engel. „Meine haben weniger Vertragspartner, aber die kommen auch“, weiß Manni. Pech, dass „seine“ Helfer gleichzeitig aus Dormagen angefordert wurden, wie er später erfährt.
Monika nutzt die Wartezeit, übt in der Dunkelheit auf dem Standstreifen fleißig den Walzer-Zögerschritt. Zwei Stunden sind rum, da kommen die Pannenhelfer. Könnte ein Motorschaden sein, da sei in der Dunkelheit nicht viel zu machen, lautet die erste Diagnose, als sie die Ölflecken am Blech und auf dem Boden näher betrachtet haben. Der Wagenbesitzer ist geschockt. Wenigstens geht’s nun nach Hause
Am nächsten Tag, bei Licht, kann er wieder aufatmen: Der Motor hat’s überlebt. Ein Kühlwasserschlauch war geplatzt, der Schaden sah schlimmer aus, als er war. Und dann der Anruf von Heike: „Es war ein unvergesslicher Abend“, bekräftigt sie. Wie sie das wohl gemeint hat?

(erschienen in der Rheinischen Post)

 

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